Infobull 145

Neue internationale Regionalmeisterschaft:

Der Ems-Dollart-Cup

Schon seit einigen Jahren bestehen gute und feste Beziehungen zwischen den Liegeradfahrern der Grenzregionen in der Ems-Dollart-Region, wie z.B. die Huneligger auf der niederländischen und den Moorliggern auf deutscher Seite. Auch auf dem Gebiet der Liegeradrennen besteht diese gute Beziehung. Diese Beziehungen haben zu einer Doppelveranstaltung in Rütenbrock (D) geführt. Das dortige Liegeradrennen war sowohl ein Lauf zum deutschen Liegeradcup (DLC) als auch zur niederländischen „Competitie“.

Da die niederländische Rennkommission die Anzahl der Competitie-Rennen auf sechs Rennen pro Saison reduziert hat, gibt es keine ausländischen Rennen mehr, die für die Competitie mitzählen. Weil wir die guten Beziehungen zwischen den niederländischen und deutschen Fahrern weiter pflegen und ausbauen möchten, haben wir uns entschieden zu reagieren und den Ems-Dollart-Cup (EDC) ins Leben gerufen.

Für den Anfang wird es je ein Rennen auf niederländischer und deutscher seite der Ems-Dollart-Region (EDR) geben. Der Startschuss wird am 15. August in Rütenbrock (D) fallen und im Herbst werden in Groningen (NL) die ersten EDC-Meister feststehen. Beide Rennen zählen jeweils für die nationale Meisterschaft und den EDC mit.

Das Regelement soll hierbei bewusst einfach gehalten werden: Das Rad muss dem deutschem oder niederländischem Liegerad-Renn-Reglement entsprechen. Erfüllt ein Rad in deutschlandzwar das niederländische, aber nicht das deutsche Reglement, so wird es nur für den EDC gewertet. Entsprechendes gilt für den umgekehrten Fall. Eine Einteilung in verschiedene Leistungs- oder Fahrradklassen erfolgt beim EDC nicht.

Die Teilnahme am EDC ist nicht mit einem extra Nenngeld verbunden, sondern lediglich mit der Teilnahme und der Nennung bei den jeweiligen Rennen. EDC-Meister wird derjenige, der im Schnitt die beste Tagesplatzierung hat. Bei Gleichstand bestimmt der letzte Renntag den Sieger.

Da Rütenbrock zur Zeit der einzige Rennveranstalter auf der deutschen Seite der EDR ist und das Rennen dort im Zweijahres-Rhytmus stattfindet, wird der EDC solange im Zweijahres-Rhytmus ausgetragen, bis jährliche Rennen auf beiden Seiten der Grenze stattfinden. Selbstverständlich steht bei einer Neuauflage allen Veranstaltern der EDR die Möglichkeit offen einen Lauf zum EDC zu veranstalten. Hierzu sollte Kontakt mit Ulrich Bentlage (moorligger ät web.de) aufgenommen werden.

Ulrich Bentlage

Velovision 31

Aller guten Dinge sind drei – oder warum das Leben mit drei Liegerädern noch schöner ist als mit einem!

Jeder Radfahrer weiß, dass es ein für alle Zwecke optimales Rad nicht gibt. Ein Rennrad ist z.B. für den Alltagseinsatz und Stadtverkehr nur sehr bedingt geeignet, umgekehrt wird niemand mit einem Stadtrad mit aufrechter Sitzposition an Rennen teilnehmen. Nun, bei Liegerädern ist das im Prinzip nicht anders u nd deshalb habe ich mir vor kurzem noch ein drittes Liegerad gekauft, jeder hat eben so seinen „Spleen“. Ich bin auch nicht der einzige, in unserer örtlichen Liegeradgruppe „Moorligger“ gibt es mehrere solche Fälle. Aber fangen wir besser ganz vorne an.

Nachdem ich Jahrzehnte lang eher durchschnittliche „Uprights“ gefahren hatte, kaufte ich mir im März 1998 direkt bei Voss-Spezialrad in Itzehoe bei Hamburg ein Bevo-Bike. Das ist ein kompakter Langlieger mit Vorderradantrieb und einer für Liegeräder hohen Sitzposition von ca. 75 cm, wobei das Tretlager etwas tiefer liegt. Ich merkte bald, dass es viel bequemer als mein altes „Upright“ war und außerdem auch etwas schneller. Das schönste aber war das ganz besondere, neue Fahrgefühl wenn man sich entspannt zurücklehen kann! Das Bevo ist ein optimales Alltagsrad: bequem, wegen der hohen Sitzposition ideal für den Stadtverkehr und mit einer sehr großen Gepäckkapazität in dem Gepäckkorb, der sich im Schwerpunkt zwischen den Rädern befindet. Die Nabenschaltung braucht kaum Wartung. Und mit dem „Zzipper“ (Zusatzaustattung) sind auch Fahrten bei Regen kein Problem! Einen ausführlichen Testbericht schrieb ich übrigens für Velovision, dort kann man weitere Details nachlesen. Auch Radreisen sind mit dem Bevo gut möglich, wobei die Bergtauflichkeit durch die 7-Gang-Nabeenschaltung allerdings eingeschränkt ist. Wird der Anstieg zu steil, dreht das Vorderrrad durch, dann muss man absteigen. Im Sommer 2002 unternahm ich eine Reise durch „East-Anglia“. Im hügeligen Gelände dort klappte alles prima! Mittlerweile habe ich 32 000 km mit diesem Rad zurückgelegt und benutze es noch immer fast täglich. Es ist sozusagen mein „Arbeitspferd“.

Info Bull 133 - 3Im Sommer 2003 überlegt ich, dass s schön wäre, für Radreisen und Touren noch ein zweites Liegerad zu haben, dass etwas schneller sein sollte. Noch vielen Probefahrten und Messebesuchen fiel meine Wahl dann auf das Toxy LT. Das ist ein typischer Kurzlieger, bei dem der Sitz mit ca. 50 cm deutlich unter dem Tretlager liegt. Dadurch ergibt sich eine kleinere Angriffsfläche (Stirnfläche) für den Wind, also eine gute Aerodynamik.

Mehrere Dinge überzeugten mich an diesem Rad besonders: zum einen ist da das ruhige, ausgeglichene Fahrverhalten, obwohl der Radstand kurz ist. Aber der Fahrer sitzt genau in der Mitte zwischen zwei gleich großen Rädern und lenkt mit einem direkten Untenlenker, diese Konstruktion von Arved Klütz, dem Konstrukteur der Toxies und Firmeninhaber ist sehr gelungen! Hinzu kommen die hohe Verarbeitungsqualität, das optische Erscheinungsbild (ich finde, es ist wirklich ein schönes Rad!) und die Austattungsvielfalt. So konnte ich mir ein vollgefedertes Liegerad ganz nach meinen persönlichen Wünschen zusammenstellen: mit Untenlenker und Spannsitz (finde ich persönlich bequemer als Schalensitze) für sehr entspanntes Fahren, Gepäckträger und Lowrider unterm Sitz für 4 Gepäcktaschen; 3 Flschenhaltern (zwei hinterm Sitz, einer an der Streamer-Befestigung), SON Nabendynamo, Magura Hydraulikbremsen und einer SRAM 3×7 Schaltung (Vorläufer der Dual-Drive) mit zwei Kettenblättern. Damit kommt man auch steile Berge hinauf und kann bergab auch bei hohen Geschwindigkeiten noch „Druck“ machen.

Info Bull 133 - 1Und das schönste: als nach einigen Wochen mein individuelles LT endlich vor mir stand, war meine Wunschfarbe rot exakt der gleiche Farbton wie bei meinem Bevo-Bike! Später habe ich dann noch einen „Streamer“ als Wetterschutz und einen Heckkoffer (MTB-Koffer von Novosport) montiert. Dieser schließt beim Spannsitz natürlich nicht direkt an die Sitzlehne an, aber die Lücke habe ich mit zwei passend zugeschnittenen und lackierten Plexiglasteilen geschlossen, was die Aerodynamik verbesserte und die Endgeschwindigkeit spürbar erhöhte. Das Toxy LT ist jetzt ein ideales Reise- und Tourenrad, sehr bequem, aber trotzdem fast so schnell wie ein Rennrad! Das brachte mich als nicht sehr sportlichen Menschen schon zweimal dazu, mehr als 200 km an einem Tag zu fahren, das würde ich mit einem „Upright“ nie machen! Ein besonderes Erlebnis bei der ersten dieser langen Touren waren die ersten 50 km bei Sonnenaufgang früh am morgen. Es herrschte völlige Windstille und dieses leise, mühelose Dahingleiten mit meinem neuen Liegerad war einfach nur schön! Inzwischen habe ich über 20 000 km mit diesem Rad gefahren, es macht nach wie vor sehr viel Spaß, so dass ich es auch manchmal im Alltag und Stadtverkehr benutze um ein bißchen „Holiday-Feeling“ zu genießen und auch hierfür läßt es sich gut einsetzen.

Warum dann aber noch ein drittes Liegerad?

In den Sommern 2006 und 2007 gab es in Haren-Rütenbrock an der niederländischen Grenze Liegeradrennen für professionelle Fahrer und Amateure. Das Mitfahren hat sehr viel Spaß gemacht, wann kann man schon mal auf abgesperrten Straßen richtig schnell fahren ohne sich um den Autoverkehr kümmern zu müssen? Aber das LT ist kein Rennliegerad und ich bin kein Profifahrer, so landete ich immer im letzten Drittel der Fahrer. Die Fahrer, die mich leicht und locker überholten fuhren Tieflieger, also Rennliegeräder! Vielleicht fährst du irgendwann auch so ein Rad, dachte ich mir! Da erinnerte ich mich daran, dass bei dem Fahrradgeschäft Menken in Aschendorf (Papenburg), bei dem ich damals mein Toxy LT kaufte, seit lagem ein gebrauchtes acht Jahre altes Toxy ZR, also ein Tieflieger, sehr günstig angeboten wurde. Ich telefonierte mit dem Inhaber und hatte Glück: das Rad war noch nicht verkauft! Nach einer ausführlichen Probefahrt war klar: das wird mein drittes Liegerad! Der Fahrspaß mit so einem Rad ist wirklich grandios: nur 20 cm über dem Boden liegend beschleunigt man ungewohnt schnell. Durch den effektiven Vorderradantrieb und das im Vergleich zu meinen anderen Liegerädern geringe Gewicht kommen die kleinen 20 Zoll Räder rasch auf Touren. Außerdem erreicht man Endgeschwindigkeiten, die man vorher nicht kannte! Ein Freund, der ein „normales“ Rennrad fährt, bestätigte mir nach einer Probefahrt, dass so ein Tieflieger noch schneller als ein Rennrad. Aber wie steht es mit dem Komfort? Die Sitzposition ist zwar flach, aber immer noch sehr bequem. Tieflieger mit einem noch flacheren Sitzwinkel sind zwar noch etwas schneller, aber es ist dann auch anstrengend den Kopf aufrecht zu halten, um genug sehen zu können. Ich finde, auch auf einem Rennliegerad sollte man sich wohl fühlen, und das kann man auf dem ZR wirklich gut! Man hat einen freien Blick nach vorne und eine gut funktionierende Heckfederung (die hat baer nicht jeder Tieflieger!), so kann man auch gut auf schlechten Straßen fahren. Eigentlich kann man auf so einem Rennliegerad kein Gepäck, ja nicht einmal eine Luftpumpe oder Regenjacke mitnehmen. Für einige gibt es aerodynamische Heckverkleidungen, die gleichzeitig als Kofferraum dienen. So ist es auch beim Toxy ZR, nur dieseinzeln angefertigten Heckkoffer sind sehr teuer! Aber ich hatte ein zweites Mal Glück: zwei Wochen, nadem ich das Rad gekauft hatte, bot jemand im Internet einen solchen kaum gebrauchten Koffer für weniger als die Hälfte des Preises an! Als ich diesen Koffer angeschraubt hatte, spürte ich gleich die drei großen Vorteile: 1. man kann ziemlich viel mitnehmen, damit wird das ZR reisetauglich; 2. die Aerodynamik wird nocheinmal verbessert, das Rad wird noch etwas schneller; 3. last but not least: das Rad sieht auch noch besser aus!Info Bull 133 - 4

So ist mein Tieflieger jetzt fit für Rennen und Radreisen undich genieße die Ausfahrten mit diesem Rad sehr. Aber es gibt auch Einschränkungen: für den Stadtverkehr ist das ZR kaum geeignet, denn mit nur 20 cm Sitzhöhe wird man von Autofahrern sehr leicht übersehen und hat auch selbst keine gute Übersicht! Und bei regennasser Fahrbahn bekommt man das Spritzwasser vom Vorderrad und der direkt vor dem Fahrer liegenden Kette genau zwischen die Beine gespritzt.Sorry, lieber Leser, aber davon gibt es kein Foto! Mit meinen beiden anderen Liegerädekann ich das ganze Jahr praktisch bei jedem Wetter fahren. Dagegen ist ein Tieflieger ein „Schönwetterrad“! Seit Baujahr 2006 gibt es das Toxa ZR übrigens auch mit Schutzblechen, aber meines ist Baujahr 2000 und vorne passt kein Schutzblech zwischen Rad und Rahmen. Aber Rennräder haben ja auch keine Schutzbleche!

Insgesamt decken meine drei oder vergleichbare Liegeräder einen großen Einsatzbereich ab. Das Bevo ist ein ideales Alltags- und Stadtrad, mit dem mann auch längere Touren machen kann. Das Toxy LT ist ein sportliches Reiserad mit entspanntes aber auch schnelles Gleiten und laßt sich auch im Alltagsbetrieb gut nutzen. Und das Toxy ZR ist schließlich ein Rennrad zum „Dampfablassen“ mit Reisetauglichkeit.

Allen drei gemeinsam sind der Fahrspaß und der Komfort, den so nur Liegeräder bieten können. Ich empfehle jeden Radfahrer, der es noch nicht getan hat, Liegeräder auszuprobieren, aber länger als 10 Minuten!

Kein Wunder, dassich nur noch ca. 2000 km im Jahr mit dem Auto aber ca. 6000 km mit meinen Rädern fahre. ich finde, ein Liegerad zu besitzen bereichert das Leben jedes „Cyclist“.

Drei zu besitzen ist noch einmal eine enorme Steigerung! Und die Kosten? Ein kurzer Vergleich mit den Kosten des Autofahrens spricht Bände. Ein Spruch in der deutschen Liegeradszene lauter: „Früher kostete ein sehr gutes Liegerad 30 Tankfüllungen Benzin, heute nur noch 20!“ Man kann sich die Räder ja auch nach und nach oder gebraucht anschaffen! Ich glaube, dass ich jetzt genug Räder besitze, aber es gibt natürlich auch noch Trikes, Velomobile und jede Menge interessanter „Uprights“. We shall see…

Thomas Stegemann

Info Bull 133

Aerodynamische Verbesserungen am Reise- (und Alltags-) lieger

In diesem kleinen Beitrag möche ich über meine Erfahrungen mit Versuchen zur Verbesserung der Aerodynamik an einem Reiseliegerad berichten. Dabei geht es nicht darum, die Windschnittigkeit von Tiefliegern zu erreichen, sondern Möglichkeiten aufzuzeigen mit einfachen Mitteln  spürbare Ergebnisse zu erzielen. Der Bereich des Baus von Schaumverkleidungen( vgl. Info-Bull 132, S. 13) wird hier bewußt außer Acht gelassen , weil das wohl nicht für jeden möglich ist.

Basis meiner „Versuche“ ist das im Juni 2003 erworbene Toxy Lt von Quantum als Sondermodell „Miles & Motion“. In dieser Ausstattung  hat es (fast) alles, was man sich für lange Touren so wünscht: Gepäckträger und Lowrider für 4 Packtaschen, 2 Flaschenhalter ( hinter dem Sitz), 3×7 –Schaltung mit zwei Kettenblättern, komplette Beleuchtungsanlage usw. Mit einer Sitzhöhe um die 50 cm bietet es im Stadtverkehr noch eine ganz gute Übersicht , aber auch schon einen leichten „sportlichen Touch“.
Info Bull 133 - 1Foto 1: Toxy Lt „Miles & Motion“

Da für mich auf langen Strecken v.a. der Fahrkomfort zählt, wählte ich die Variante mit Spannsitz und Untenlenker, obwohl der etwas flacher geneigte Schalensitz und der Obenlenker bekanntlich aerodynamischer sind.Aber vielleicht ließe sich da ja nachhträglich wieder etwas „gutmachen“ ?

Frontverkleidung „Streamer“

Den „Streamer“ montierte ich in erster Linie als Wetterschutz und als solcher verdient er uneingeschränktes Lob!

Aber wie ist es mit der Aerodynamik? Gewiß, er sieht schnittig aus und der Hersteller HP-Velotechnik spricht von einer „aerodynamischen Tropfenform“ . Ich wollte es genauer wissen. Da ich keinen Windkanal besitze, habe ich einfache Rollversuche unternommen. Dazu ließ ich das Toxy mit und ohne die Verkleidung an einem windstillen Tag einen leicht geneigten Abhang hinunterrollen. Um auch den Einfluss der Luftverwirbelungen durch das Pedalieren einzubeziehen, nahm ich die Kette vom Kettenblatt  und trat so  jedesmal „im Leerlauf“ mit. Das Ergebnis: mit „Streamer“ rollte das Rad ca. 2, 30 m  weiter und die Höchtgeschwindigkeit lag um ca. 3  % höher. Der „Streamer“ verbesserte also tatsächlich in diesem Fall die Aerodynamik, wenn auch nur in bescheidenem Ausmaß! Dies deckt sich mit Versuchsreihen mit einer ähnlichen Verkleidung ( vgl. Info-Bull 125, S. 37) , die allerdings auch zeigen, dass diese Verbesserung der Aerodynamik nur untengelenkte Lieger betrifft. Interessant ist auch, dass bei Kurzliegern , bei denen das Rahmenrohr im Montagebereich des „Streamers“ nicht horizontal verläuft wie beim Toxy Lt ( s. Foto) sondern steil nach oben , der „Streamer“ sogar ungünstigenfalls einen Bemseffekt erzeugen kann. Der vordere Teil muss dann nämlich „heruntergezogen“ werden um noch über die Verkleidung hinwegsehen zu können. Dadurch verändert sich aber der Winkel der Nase, sie steht jetzt so ungünstig, dass sich eine größere Aufprallfläche ergibt. Ob also der „Streamer“ wie in meinem Fall die Aerodynamik verbessert, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern müsste eigenlich bei jedem Liegeradmodell gesondert untersucht werden!

Verringerung der Lenkerbreite

Die Toxys von Arved Klütz sind für ihre Laufruhe und gute Beherrschbarkeit bekannt, die auf der Konstruktion mit zwei gleich großen Rädern , wobei der Fahrer genau in der Mitte sitzt, beruht. Bei den untengelenkten Modellen verwendet der Hersteller außerdem einen sehr breiten Lenker, dami sich auch ein vollbepacktes Rad im schwierigen Gelände aufgrund der „langen Hebel“ noch  gut kontrollieren läßt. Aerodynamisch gesehen wäre ein schmalerer Lenker natürlich besser, da dann die Arme enger am Körper liegen. Da ich zu den eher dünnen Menschen gehören, hatte ich Spielraum genug, die Lenkerhörnchen auf jeder Seite um ca. 5 cm nach innen zu versetzen und trotzdem immer noch genügend Platz für meine Oberschenkel. Eine nennenswerte Ein-schränkung des Lenkverhaltens konnte ich daduch nicht feststellen, wohl aber eine „gefühlte“ Reduzierung des Windwiderstandes durch eine weitere Verkleinerung der Aufpallfläche! Außerdem ergaben sich als Nebeneffekt noch „Ausleger“ für die beiden Rückspiegel und eine Art Rammschutz für die Hydraulikbremsen, die sonst bei Stürzen leicht beschädigt werden können.

Heckkoffer

In der Rennszene ist seit langem bekannt, dass Heckverkleidungen einen weitaus größeren Effekt haben als Frontverkleidungen. In Gestalt eines regendichten, aerodynamischen Heckkoffers sind sie außerdem ungeheuer praktisch! Normalerweise werden sie formschlüssig an den Schalensitz angeschraubt, aber das ist ja bei einem Spannsitz nicht möglich! Allerdings gibt es von Novosport, einem der bekanntesten Hersteller solcher Koffer auch ein Modell, das als „ MTB-Koffer“ bezeichnet wird  (eigentlich eine eher abwegige Bezeichnung, Mountainbiker wollen doch durchs Gelände heizen und nicht Gepäck spazierenfahren!). Dieses Modell wird einfach auf einen vorhandenen Gepäckträger aufgeschoben und mit einer Metallasche festgeschraubt, kann also  im Bedarfsfallschnell wieder demontiert werden. Mit 35 Litern fasst dieser Heckkoffer beinahe soviel wie zwei große Packtaschen, ist also auch gut für ein Reiserad einsetzbar. Außerdem verleiht er dem Toxy zusammen mit dem Streamer auch ein ästhetisches Plus, da man ihn in der jeweiligen Rahmenfarbe bestellen kann.

In aerodynamischer Hinsicht war der Koffer zunächst aber eine Enttäuschung! Die Form an sich ist sehr windschlüpfrig, aber eine Steigerung des Geschwindigkeitspotenzials war nicht festzustellen! Die Erklärung hierfür ist einfach: im Gegensatz  zu einem Schalensitz kann die Heckverkleidung nicht formschlüssig montiert werden, zwischen Spannsitz und Heckkoffer bleibt ein Spalt von 15 – 20 cm Breite. Hier bilden sich natürlich „massenweise“ bremsende Luftwirbel, die die gute Aerodynamik des Koffers wieder neutralisieren! Beim Liegeradrennen 2006 in Haren-Rütenbrock ( auch für nicht so ambitonierte Fahrer sehr zu empfehlen, die Strecke und die Atmosphäre machen einfach Spaß !!!; mehr unter : www.moorligger.de.vu !!!) sah ich bei einer Teilnehmerin eine selbstgebaute Heckverkleidung aus Sperrholz. Meine Versuche mit diesem Material den Spalt zwischen Sitz und Heckkoffer zu schließen, schlugen aber fehl, da Sperrholz nicht biegsam genug ist um es an die „runden Backen“ des Heckkoffers anzupassen. Mit Plexiglas ( 1mm stark) aus dem Baumarkt hatte ich dann mehr Erfolg. Die beiden „Heckverschalungen“ wurden mit einem Fön in die richtige Form gebracht, in der entsprechenden Farbe lackiert und mittels Klettbändern befestigt, so dass sie leicht wieder abnehmbar sind, .B. für Reparaturarbeiten.

Info Bull 133 - 2Foto 2:  Mit „Streamer“, „MTB-Koffer“ mit „Heckverschalung“

Und siehe da, der aerodynamische Effekt war diesmal deutlich spürbar. Schon im „mittleren“ Bereich zwischen 20 – 30 km/h ergab sich ein Plus von  2 –3  Stundenkilometern! Um die Belüftung des Spannsitzes zu erhalten, habe ich die Verschalung oben und unten nicht geschlossen, aber allein das Schließen des Spaltes im Seitenbereich läßt die Luft offensichtlich viel besser abströmen!

Natürlich sind noch weitere aerodynamische Optimierungen denkbar, aber mir kam es nicht darauf an , das Letzte „herauszukitzeln“ , sondern die Aerodynamik zu verbessern ohne  dafür Abstriche am Komfort hinzunehmen. „Streamer“ und Heckkoffer haben eigentlich den Nutzwert noch gesteigert und eine Verbesserung des Geschwindigkeitspotenzials ist natürlich gerade bei langen Strecken immer auch ein Komfortgewinn!

Vielleicht haben ja noch andere HPV-ler noch viele Tipps und Anregungen, eine Art Erfahrungsaustausch (auch in der Info-Bull) wäre vielleicht ganz interessant!

Thomas Stegemann